Bitcoin stabilisiert sich bei 82.000 US-Dollar: Die fünf Kräfte, die die Uptober-Rally zunichtemachen

Die Kryptomärkte stehen im bisherigen Oktober weiterhin unter Druck. Bitcoin (BTC) fiel zu Wochenbeginn unter 80.000 US-Dollar, bevor sich der Kurs am Freitag auf rund 82.000 US-Dollar erholte. Makroökonomischer Gegenwind und eine nachlassende Nachfrage belasten den Markt.

Die von vielen Marktteilnehmern erwartete „Uptober“-Rally ist bislang ausgeblieben. Stattdessen haben anhaltender Verkaufsdruck und umfangreiche Liquidationen das „Rektober“-Narrativ verstärkt – ein Begriff für einen Oktober, der von kräftigen Verlusten statt der traditionell mit „Uptober“ verbundenen Gewinne geprägt ist.

Bitcoin hat in diesem Monat Schwierigkeiten, eine anhaltende Aufwärtsdynamik zu entwickeln. Einige klar erkennbare Faktoren bremsen den Kurs. Diese nehmen wir im Folgenden genauer unter die Lupe.

TMGM Analysis: Financial Market News, Economic Calendar & Market Insights

Kryptomarkt spült gehebelte Long-Positionen aus dem Markt

Laut Daten von Coinglass setzten sich die Liquidationen in dieser Woche fort, wobei gehebelte Long-Positionen die größten Verluste erlitten. In diesem Zeitraum wurden Long-Positionen im Wert von mehr als 1,60 Milliarden US-Dollar liquidiert. Dies verdeutlicht die übermäßig bullische Positionierung am Markt.

Zudem erreichte das gesamte Nettoliquidationsvolumen in der vergangenen Woche den höchsten Stand seit Mitte August. Dies spiegelt das Ausmaß des marktweiten Abbaus von Hebelpositionen und den zunehmenden Druck auf bullisch ausgerichtete Trader wider.

Historischer Verlauf der Liquidationen. Quelle: Coinglass

Hohe Renditen und stärkerer US-Dollar bremsen BTC

Die Renditen von US-Staatsanleihen bleiben der wichtigste Belastungsfaktor für Bitcoin. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen stieg zuletzt auf über 5,30 % und näherte sich damit den höchsten Ständen seit mehreren Jahrzehnten. Seitdem ist sie leicht gesunken, lag am Freitag aber weiterhin auf einem erhöhten Niveau von über 5,07 %.

Hohe Staatsanleiherenditen machen diese Papiere für Anleger attraktiver, die relativ kalkulierbare Erträge suchen. Dies gilt insbesondere im Vergleich zu riskanteren Anlagen wie BTC, die keine laufenden Erträge abwerfen. Diese höhere sichere Rendite erschwert es dem Krypto-Primus, neues Kapital anzuziehen.

Hinzu kommt, dass der erstarkende US-Dollar (USD) den Druck weiter erhöht. Der US-Dollar-Index (DXY) stieg am Mittwoch auf 102,94 und damit auf den höchsten Stand seit rund 18 Monaten. Ein stärkerer Greenback kann die globalen Finanzierungsbedingungen verschärfen, auf US-Dollar lautende Risikoanlagen verteuern und die Risikobereitschaft dämpfen. Dadurch verlieren digitale Vermögenswerte an Attraktivität.

Inflationssorgen bremsen den Krypto-Primus

Die Inflation in den USA erweist sich weiterhin als hartnäckig und verschärft die ohnehin angespannte Lage. Die am Mittwoch veröffentlichten, höher als erwartet ausgefallenen Daten zum Verbraucherpreisindex (CPI) zeigten für September eine jährliche Inflationsrate von 3,7 %, nach einem Anstieg von 3,4 % im August.

Zudem stieg der Kern-CPI ohne die volatilen Nahrungsmittel- und Energiepreise im selben Monat um 2,6 % gegenüber dem Vorjahr, nach einem Plus von 2,4 % im August. Gegenüber dem Vormonat legten der Gesamt-CPI und der Kern-CPI um 0,6 % beziehungsweise 0,3 % zu.

Darüber hinaus stieg der US-Erzeugerpreisindex (PPI) im September um 1,3 % und verzeichnete damit den stärksten Zuwachs seit März 2022. Die Jahresrate schnellte auf 6,3 % hoch. Ohne die volatilen Nahrungsmittel- und Energiekomponenten legte der Kern-PPI im Monatsvergleich um 0,7 % und im Jahresvergleich um 5 % zu. Dies deutet darauf hin, dass sich der Inflationsdruck über Energieprodukte hinaus ausweitet.

Diese höheren Werte deuten auf anhaltenden Inflationsdruck hin und bestärken die Markterwartungen einer weiteren geldpolitischen Straffung durch die US-Notenbank (Fed).

Unterdessen nahm Fed-Chef Kevin Warsh am Freitag in Bangkok, Thailand, gemeinsam mit der geschäftsführenden Direktorin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Kristalina Georgieva, an einem Kamingespräch teil. 

Warsh erklärte, er wolle Zinsentscheidungen nicht „vorwegnehmen“. Er gab keinen Hinweis darauf, ob die Notenbank bei ihrer bevorstehenden Sitzung am 27. und 28. Oktober die kurzfristigen Zinsen anheben oder, wie von den Märkten erwartet, unverändert lassen wird.

Laut dem CME FedWatch Tool gingen die Markterwartungen einer Zinserhöhung im Oktober nach den Äußerungen von Warsh zurück. Die implizite Wahrscheinlichkeit sank am Freitag auf rund 12 %.

Nachfrage zeigt Anzeichen einer Abkühlung

Bei institutionellen Anlegern lässt auch die Nachfrage am Spotmarkt deutlich nach. In den USA notierte Bitcoin-Spot-ETFs (börsengehandelte Fonds) verzeichnen im bisherigen Oktober Nettoabflüsse, nachdem sie im September und August kräftige Zuflüsse verbucht hatten. Dieser Stimmungsumschwung unter Anlegern hat eine wichtige Quelle stetiger Käufe versiegen lassen, die zuvor Verkaufsdruck abgefedert und Verkaufsvolumen absorbiert hatte.

Monatlicher Verlauf der gesamten Nettozuflüsse in Bitcoin-Spot-ETFs. Quelle: SoSoValue

Am Derivatemarkt wirkt die Positionierung in Bitcoin-Futures an der Chicago Mercantile Exchange (CME) defensiv. Zudem zeigt der Commitment-of-Traders-Bericht (COT) der vergangenen Woche, dass kommerzielle Marktteilnehmer weiterhin netto short positioniert sind und gehebelte Fonds vorsichtiger agieren. Dies könnte den Spielraum für eine schnelle Rally begrenzen.

Wichtigste Erkenntnis für Trader

Insgesamt haben diese Faktoren – hohe US-Staatsanleiherenditen, hartnäckige Inflationsrisiken, ein stärkerer US-Dollar, eine nachlassende ETF-Nachfrage und eine vorsichtige Positionierung am Futures-Markt – ein schwieriges Umfeld für Bitcoin geschaffen. Sie begrenzen immer wieder das Aufwärtspotenzial des Krypto-Primus und stehen seinem saisonalen „Uptober“-Narrativ entgegen. 

All dies bedeutet jedoch nicht, dass die langfristige Perspektive für BTC grundsätzlich infrage steht. Der unten stehende Wochenchart zeigt, dass BTC nach dem Ausbruch über eine fallende Trendlinie im August höhere Hochs und tiefere Tiefs ausgebildet hat. In der Nähe der jüngsten Hochs um 87.000 US-Dollar trifft der Kurs auf Widerstand und wird dort zurückgewiesen. Die Momentumindikatoren haben begonnen nachzugeben, während sich der jüngste Kursrückgang fortsetzt. Solange sich der Kurs jedoch oberhalb der Unterstützungszone von 75.000 bis 76.500 US-Dollar hält, bleibt die bullische Struktur intakt.

BTC/USDT-Wochenchart

Mit Blick auf die kommende Zeit könnten die Entwicklung der ETF-Kapitalflüsse und die bevorstehende Zinsentscheidung der Fed am 28. Oktober BTC und dem breiteren Kryptomarkt neue Richtungsimpulse geben. Die Marktteilnehmer werden genau auf Signale zum geldpolitischen Ausblick der Fed achten, da Veränderungen der Zinserwartungen die Risikobereitschaft und die Nachfrage nach Kryptowährungen beeinflussen dürften.

Häufig gestellte Fragen zu Bitcoin, Altcoins und Stablecoins

Bitcoin ist die nach Marktkapitalisierung größte Kryptowährung und eine virtuelle Währung, die als Geld dienen soll. Dieses Zahlungsmittel kann nicht von einer einzelnen Person, Gruppe oder Organisation kontrolliert werden. Dadurch entfällt bei Finanztransaktionen die Notwendigkeit, Dritte einzubeziehen.

Als Altcoins werden alle Kryptowährungen außer Bitcoin bezeichnet. Manche zählen allerdings auch Ethereum nicht dazu, da Abspaltungen, sogenannte Forks, von diesen beiden Kryptowährungen ausgehen. Nach dieser Sichtweise ist Litecoin der erste Altcoin: Er entstand durch eine Abspaltung vom Bitcoin-Protokoll und gilt daher als dessen „verbesserte“ Version.

Stablecoins sind Kryptowährungen, die auf einen stabilen Preis ausgelegt sind. Ihr Wert ist durch eine Reserve des Vermögenswerts gedeckt, den sie abbilden. Dazu wird der Wert eines Stablecoins an einen Rohstoff oder ein Finanzinstrument wie den US-Dollar (USD) gekoppelt, während sein Angebot durch einen Algorithmus oder die Nachfrage gesteuert wird. Das Hauptziel von Stablecoins besteht darin, Anlegern, die mit Kryptowährungen handeln oder in sie investieren möchten, den Ein- und Ausstieg zu ermöglichen. Stablecoins erlauben Anlegern zudem die Wertaufbewahrung, da Kryptowährungen im Allgemeinen Kursschwankungen unterliegen.

Die Bitcoin-Dominanz bezeichnet das Verhältnis der Marktkapitalisierung von Bitcoin zur gesamten Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen. Sie vermittelt ein klares Bild davon, wie groß das Interesse der Anleger an Bitcoin ist. Eine hohe BTC-Dominanz tritt typischerweise vor und während einer Hausse auf, wenn Anleger auf relativ stabile Kryptowährungen mit hoher Marktkapitalisierung wie Bitcoin setzen. Ein Rückgang der BTC-Dominanz bedeutet in der Regel, dass Anleger ihr Kapital und/oder ihre Gewinne auf der Suche nach höheren Renditen in Altcoins umschichten. Dies löst häufig kräftige Altcoin-Rallys aus.