
GBP/USD steigt über 1,3475 auf ein Sechswochenhoch, nachdem die Demokraten bei den US-Zwischenwahlen die vollständige Kontrolle über den Kongress gewonnen haben. Dies belastet den US-Dollar im Vorfeld des Zinsentscheids der Bank of England.
Mit einem klaren Sieg bei den Zwischenwahlen sichern sich die Demokraten die Kontrolle über das Repräsentantenhaus und den Senat. Die Renditen von US-Staatsanleihen sinken angesichts der Erwartung, dass die Demokraten die Staatsausgaben begrenzen werden. Das setzt den US-Dollar zumindest vorerst unter Druck.

Allerdings besteht das Risiko, dass Trump angesichts seines eingeschränkten innenpolitischen Handlungsspielraums seine volle Aufmerksamkeit auf die Außenpolitik richtet. Eine Eskalation der Kampfhandlungen im Nahen Osten und gegen den Iran könnte die Ölpreise weiter steigen lassen und damit den Inflationsdruck, die Renditen von US-Staatsanleihen und den US-Dollar nach oben treiben.
Neben den Ergebnissen der Zwischenwahlen rückt der US-Arbeitsmarktbericht mit den Beschäftigungszahlen außerhalb der Landwirtschaft am Freitag in den Fokus. Im Vorfeld der Veröffentlichung preist der Markt eine Zinserhöhung im Dezember mit einer Wahrscheinlichkeit von 79 % ein. Starke Beschäftigungszahlen könnten diese Erwartungen festigen und eine Erholung des US-Dollars unterstützen.
Die Bank of England gibt ihren Zinsentscheid am Donnerstag um 12:00 Uhr GMT bekannt.
Es wird erwartet, dass die BoE den Leitzins um 25 Basispunkte auf 4 % anhebt. Dies wäre die erste Zinserhöhung seit August 2023.
Die Sitzung findet vor dem Hintergrund einer auf 3,5 % gestiegenen Inflation im Vereinigten Königreich statt, während die Öl- und Energiepreise infolge des Iran-Kriegs weiter zulegen. Auch die Kerninflation stieg im September auf 2,8 % gegenüber dem Vorjahr, nach 2,6 % im August.
Unterdessen erhöhte sich die Inflation im Dienstleistungssektor von 3,4 % im August auf 3,7 %. Die Bank of England verfolgt diese Kennzahl besonders aufmerksam, da sie Aufschluss über den binnenwirtschaftlichen Preisdruck gibt. Zusammen mit Anzeichen einer Stabilisierung am Arbeitsmarkt angesichts gesunkener Arbeitslosigkeit hat dies die Erwartungen einer Zinserhöhung im November weiter gefestigt.
Da der Zinsschritt bereits zu 97 % eingepreist ist, werden das Sitzungsprotokoll, die Pressekonferenz von Notenbankchef Andrew Bailey und die aktualisierten Wachstums- und Inflationsprognosen im Mittelpunkt stehen.
Das Office for Budget Responsibility hat seine offizielle Wachstumsprognose für 2027 von 1,6 % auf 1 % gesenkt.
Zugleich wird erwartet, dass die Energiekosten die Inflation 2027 weiter nach oben treiben, da Unternehmen in der gesamten Wirtschaft, von Lebensmittelherstellern bis hin zu Fluggesellschaften, ihre Preise anheben.
Die Märkte preisen jedoch drei weitere Zinserhöhungen bei den Sitzungen der Bank of England im Februar, März und April 2027 ein, was etwas aggressiv erscheint. Damit würde der Leitzins auf 4,75 % bis 5 % steigen.
Zwar wird nicht erwartet, dass die Bank of England Hinweise darauf gibt, wie viele Zinserhöhungen sie plant. Es ist jedoch möglich, dass das Sitzungsprotokoll oder sogar Notenbankchef Bailey selbst signalisiert, dass der Leitzins am Ende des Zinserhöhungszyklus das derzeit von den Märkten eingepreiste Niveau voraussichtlich nicht erreichen wird.
Sollte die Bank of England den aggressiven Zinserhöhungserwartungen entgegentreten, könnte der Zinsschritt als geldpolitisch zurückhaltend gewertet werden und das Pfund belasten. Hebt die Zentralbank hingegen ihre Inflationsprognosen an, könnte dies als Signal für einen restriktiveren Kurs gewertet werden und GBP/USD weiter steigen lassen.
GBP/USD hat sich von der Unterstützungszone bei 1,32 erholt und ist über seine fallende Trendlinie sowie die exponentiellen gleitenden Durchschnitte über 50 und 200 Perioden (EMA) gestiegen. Damit bleibt das technische Bild konstruktiv, während sich das Währungspaar der Marke von 1,35 nähert.
Gestützt durch einen RSI über 50 dürften die Bullen versuchen, die Kursgewinne über die Widerstandszone bei 1,35 hinaus auszubauen. Anschließend rücken 1,36 und 1,3650 im Bereich des Augusthochs in den Fokus.
Auf der Unterseite bieten die gleitenden Durchschnitte Unterstützung: Der 200-Perioden-EMA liegt bei 1,34 und der 50-Perioden-EMA bei 1,3360. Ein Rückgang unter diese Niveaus würde den Weg zur Unterstützungszone bei 1,33 und zum Verlaufstief vom 27. Oktober freimachen. Darunter rückt die Marke von 1,32 in den Fokus.