Britischer Haushalt: Healey vollführt fiskalischen Drahtseilakt bei eingetrübten Wachstumsaussichten für 2027

  • Die britische Regierung verspricht, trotz des zunehmenden wirtschaftlichen Drucks an der Haushaltsdisziplin festzuhalten.
  • Die Wachstumsprognose für 2027 wird deutlich von zuvor 1,6 % auf 1 % gesenkt.
  • Die Regierung kündigt Entlastungen bei den Energiekosten für private Haushalte an und schließt zugleich breit angelegte Steuererhöhungen aus.

Der britische Finanzminister Healey hat dem Parlament am Mittwoch die jährliche Haushaltserklärung der Regierung vorgelegt. Dabei versprach er, an der Haushaltsdisziplin festzuhalten und zugleich private Haushalte vor steigenden Energiekosten infolge des Krieges im Iran zu schützen.

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Laut den Prognosen des Office for Budget Responsibility (OBR) dürfte das britische Bruttoinlandsprodukt (BIP) in diesem Jahr um 1,2 % wachsen und damit etwas stärker als bislang mit 1,1 % erwartet. Die Aussichten für 2027 verschlechtern sich jedoch deutlich: Die Wachstumsprognose wurde von 1,6 % auf 1 % gesenkt. Das Haushaltsdefizit dürfte in diesem Jahr 4,2 % des BIP erreichen und im nächsten Jahr auf 3,4 % zurückgehen.

Healey warnte, dass die Zinszahlungen auf die Staatsschulden in diesem Jahr um 14 Milliarden Pfund steigen werden. Zugleich bekräftigte er, die Regierung werde ihre Haushaltsregeln einhalten, ohne die Steuern für Erwerbstätige zu erhöhen oder tiefgreifende Kürzungen bei öffentlichen Dienstleistungen vorzunehmen.

Im Energiebereich kündigte die Regierung eine Zahlung von 100 Pfund für 20 Millionen Haushalte an, deren Kosten auf 2,6 Milliarden Pfund geschätzt werden. Zudem soll die Mehrwertsteuersenkung auf Strom bis Juli verlängert werden. Healey bekräftigte außerdem das Ziel der Regierung, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.

Die wichtigsten Aussagen

Britischer Finanzminister Healey: Der Haushalt wird auf Haushaltsdisziplin beruhen.

Wir stehen weltwirtschaftlichen Stürmen gegenüber.

Wir werden in diesem Jahr 14 Milliarden Pfund mehr für Schuldzinsen ausgeben.

Wir werden die Haushaltsregeln einhalten.

Wir werden einen Teil des haushaltspolitischen Spielraums nutzen, um die Auswirkungen des Iran-Krieges abzufedern.

Wir werden die Steuern für Erwerbstätige nicht erhöhen.

Wir lehnen breit angelegte Steuererhöhungen und drastische Kürzungen bei öffentlichen Dienstleistungen ab.

Unsere oberste Priorität ist günstigere Energie.

Wir halten unerschütterlich am Ziel fest, bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.

Das OBR prognostiziert für 2026 ein BIP-Wachstum von 1,2 % (März-Prognose: 1,1 %).

Das OBR prognostiziert für 2027 ein BIP-Wachstum von 1,0 % (März-Prognose: 1,6 %).

Das OBR prognostiziert für 2028 ein BIP-Wachstum von 1,6 % (März-Prognose: 1,6 %).

Das OBR prognostiziert für 2029 ein BIP-Wachstum von 1,8 % (März-Prognose: 1,5 %).

Das OBR prognostiziert ein Haushaltsdefizit von 4,2 % des BIP „in diesem Jahr“.

Das OBR prognostiziert ein Haushaltsdefizit von 3,4 % des BIP „im nächsten Jahr“.

Wir werden die geplante Verpflichtung für Gashändler streichen.

Wir werden die Mehrwertsteuersenkung auf Strom bis Juli verlängern.

Wir werden 20 Millionen Haushalten eine Zahlung von 100 Pfund zur Deckung der Energiekosten gewähren.

Das Programm wird 2,6 Milliarden Pfund kosten.

Marktreaktion

Das Pfund Sterling (GBP) reagiert kaum auf Healeys Haushaltsankündigungen. GBP/USD verliert am Mittwoch 0,12 % und notiert zum Zeitpunkt der Veröffentlichung bei rund 1,3290.

Häufig gestellte Fragen zum Pfund Sterling

Das Pfund Sterling (GBP) ist die älteste Währung der Welt (886 n. Chr.) und die offizielle Währung des Vereinigten Königreichs. Es ist die am vierthäufigsten gehandelte Währung am globalen Devisenmarkt (FX). Nach Daten aus dem Jahr 2022 entfallen auf das Pfund 12 % aller Transaktionen mit einem durchschnittlichen Volumen von 630 Milliarden US-Dollar pro Tag. Die wichtigsten Währungspaare sind GBP/USD, auch als „Cable“ bekannt, mit einem Anteil von 11 % am Devisenhandel, GBP/JPY, unter Händlern auch „Dragon“ genannt (3 %), sowie EUR/GBP (2 %). Das Pfund Sterling wird von der Bank of England (BoE) ausgegeben.

Der wichtigste Einflussfaktor für den Wert des Pfund Sterling ist die Geldpolitik der Bank of England. Die BoE richtet ihre Entscheidungen danach aus, ob sie ihr vorrangiges Ziel der „Preisstabilität“ erreicht hat, also eine stabile Inflationsrate von rund 2 %. Ihr wichtigstes Instrument hierfür ist die Anpassung der Zinssätze. Ist die Inflation zu hoch, versucht die BoE, sie durch Zinserhöhungen einzudämmen. Dadurch werden Kredite für Privatpersonen und Unternehmen teurer. Dies wirkt sich in der Regel positiv auf das GBP aus, da höhere Zinsen das Vereinigte Königreich für internationale Anleger attraktiver machen. Sinkt die Inflation zu stark, ist dies ein Zeichen für eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums. In diesem Fall wird die BoE Zinssenkungen in Betracht ziehen, um Kredite zu verbilligen. So sollen Unternehmen mehr Kredite aufnehmen, um in wachstumsfördernde Projekte zu investieren.

Veröffentlichte Konjunkturdaten geben Aufschluss über den Zustand der Wirtschaft und können den Wert des Pfund Sterling beeinflussen. Indikatoren wie das BIP, die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor sowie Beschäftigungsdaten können die Kursentwicklung des GBP mitbestimmen. Eine starke Wirtschaft ist positiv für das Pfund Sterling. Sie zieht nicht nur mehr ausländische Investitionen an, sondern kann die BoE auch zu Zinserhöhungen veranlassen, die das GBP unmittelbar stärken. Fallen die Konjunkturdaten hingegen schwach aus, dürfte das Pfund Sterling nachgeben.

Eine weitere wichtige Datenveröffentlichung für das Pfund Sterling ist die Handelsbilanz. Dieser Indikator misst die Differenz zwischen den Exporteinnahmen eines Landes und seinen Ausgaben für Importe über einen bestimmten Zeitraum. Produziert ein Land stark nachgefragte Exportgüter, profitiert seine Währung allein schon von der zusätzlichen Nachfrage ausländischer Käufer, die diese Waren erwerben möchten. Ein Handelsbilanzüberschuss stärkt daher eine Währung, während ein Handelsbilanzdefizit den gegenteiligen Effekt hat.