
Megan Greene, Mitglied des geldpolitischen Ausschusses (MPC) der Bank of England (BoE), sagte am Dienstag, dass „sich das Lohnwachstum nicht weiter abgeschwächt hat“. Dies deutet darauf hin, dass die Löhne die Preise wieder nach oben treiben könnten.
Greene fügte hinzu, sie sei weiterhin der Ansicht: „Wir [die BoE] sollten dem Risiko von Zweitrundeneffekten bei der Inflation vorausschauend entgegenwirken.“ Diese Risiken seien „größer als von uns angenommen“.
Sie betonte, dass die Abschwächung des Lohnwachstums offenbar auf einem Niveau zum Stillstand gekommen sei, das über dem mit dem Inflationsziel der BoE vereinbaren Niveau liege. Ihre Äußerungen erfolgen einen Tag vor der Veröffentlichung der britischen Inflationszahlen.

Das Lohnwachstum hat sich nicht weiter abgeschwächt
Ich bin weiterhin der Ansicht, dass wir dem Risiko von Zweitrundeneffekten bei der Inflation vorausschauend entgegenwirken sollten
Das Risiko von Zweitrundeneffekten ist größer als von uns angenommen.
Vorlaufindikatoren deuten auf ein Lohnwachstum näher an 3,5 % hin
Die Abschwächung des Lohnwachstums scheint auf einem Niveau zum Stillstand gekommen zu sein, das über dem mit einer Inflation von 2 % vereinbaren Niveau liegt
Die Wirtschaft hat sich überraschend widerstandsfähig gezeigt
Die Unterauslastung am Arbeitsmarkt könnte ihren Höhepunkt erreicht haben
Die Bank of England (BoE) legt die Geldpolitik für das Vereinigte Königreich fest. Ihr vorrangiges Ziel ist „Preisstabilität“, also eine stabile Inflationsrate von 2 %. Um dies zu erreichen, passt sie die Leitzinsen an. Die BoE legt den Zinssatz fest, zu dem sie Geschäftsbanken Geld leiht und zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Damit bestimmt sie das allgemeine Zinsniveau in der Wirtschaft. Dies wirkt sich auch auf den Wert des britischen Pfunds (GBP) aus.
Liegt die Inflation über dem Zielwert der Bank of England, reagiert sie mit Zinserhöhungen. Dadurch werden Kredite für Privatpersonen und Unternehmen teurer. Dies wirkt sich positiv auf das britische Pfund aus, da höhere Zinsen das Vereinigte Königreich für internationale Anleger attraktiver machen. Fällt die Inflation unter den Zielwert, deutet dies auf eine Verlangsamung des Wirtschaftswachstums hin. Die BoE wird dann Zinssenkungen in Betracht ziehen, um Kredite zu verbilligen. Damit verbindet sie die Hoffnung, dass Unternehmen Kredite aufnehmen, um in wachstumsfördernde Projekte zu investieren – was das britische Pfund belastet.
In Extremsituationen kann die Bank of England eine sogenannte quantitative Lockerung (Quantitative Easing, QE) einleiten. Dabei erhöht die BoE die Kreditversorgung in einem ins Stocken geratenen Finanzsystem erheblich. QE ist ein letztes Mittel, wenn Zinssenkungen nicht das erforderliche Ergebnis erzielen. Im Rahmen der quantitativen Lockerung schöpft die BoE Geld, um Banken und anderen Finanzinstituten Vermögenswerte abzukaufen – in der Regel Staatsanleihen oder Unternehmensanleihen mit einem AAA-Rating. QE führt üblicherweise zu einer Abschwächung des britischen Pfunds.
Die quantitative Straffung (Quantitative Tightening, QT) ist das Gegenteil der quantitativen Lockerung und wird eingesetzt, wenn die Wirtschaft an Stärke gewinnt und die Inflation zu steigen beginnt. Während die Bank of England (BoE) bei der quantitativen Lockerung Staats- und Unternehmensanleihen von Finanzinstituten kauft, um deren Kreditvergabe anzuregen, stellt sie bei der quantitativen Straffung weitere Anleihekäufe ein. Zudem legt sie die Rückzahlungen aus fällig werdenden Anleihen in ihrem Bestand nicht mehr neu an. Dies wirkt sich in der Regel positiv auf das britische Pfund aus.