Kanadischer Dollar legt bei steigenden Ölpreisen und schwächerem US-Dollar zu

  • Höhere Rohölpreise stützen den kanadischen Dollar angesichts wachsender Sorgen um die weltweite Versorgung und die Schifffahrt.
  • Angriffe auf die Energieinfrastruktur und Störungen in der Straße von Hormus lassen die Öllieferungen aus dem Nahen Osten drastisch einbrechen.
  • Der US-Dollar steht unter Druck, da Händler im Oktober mit unveränderten Leitzinsen der Fed rechnen.

USD/CAD setzt seine Verluste am vierten Tag in Folge fort und notiert am Dienstag im asiatischen Handel bei rund 1,4090. Das Währungspaar gibt nach, da der rohstoffabhängige kanadische Dollar (CAD) von steigenden Ölpreisen gestützt wird.

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Die Rohölpreise legen zu, während die Marktteilnehmer die eskalierenden geopolitischen Konflikte im Nahen Osten und in Osteuropa abwägen. Im Nahen Osten behauptet der Iran weiterhin seine Kontrolle über die Straße von Hormus, wobei Schifffahrtsbehörden mehrere Angriffe auf Handelsschiffe melden. Die Spannungen verschärften sich zusätzlich durch gegenseitige Angriffe Saudi-Arabiens und der vom Iran unterstützten Huthi-Milizen im Jemen. Gleichzeitig nahmen Russland und die Ukraine gezielte Angriffe auf die Energieinfrastruktur wieder auf.

Diese zunehmenden Bedrohungen für die Handelsschifffahrt führten vorübergehend zu erheblichen Störungen des regionalen Handels. Nach Angaben des Analyseunternehmens Kpler sanken die Rohöllieferungen durch den Nahen Osten in der vergangenen Woche im Siebentagesdurchschnitt auf etwa 8,5 Millionen Barrel pro Tag, nach mehr als 20 Millionen Barrel pro Tag in der Vorwoche. Gleichzeitig wurden mindestens 10 Vorfälle mit Beteiligung von Handelsschiffen bestätigt.

BoC ringt angesichts anhaltender Inflationsrisiken mit schwierigen geldpolitischen Zielkonflikten

Ökonomen der Royal Bank of Canada betonen, dass die Bank of Canada weiterhin in einem schwierigen geldpolitischen Umfeld agiert. Abbey Xu merkt an, die Zentralbank stehe „weiterhin vor einem schwierigen Balanceakt“ zwischen einer schwachen Binnenwirtschaft und aufkommenden Inflationsrisiken, insbesondere durch höhere Ölpreise. Da die Gesamtinflation nur leicht über dem Zielwert liegt und Kerninflationsmaße wie der Verbraucherpreisindex ohne Nahrungsmittel und Energie, CPI-trim und CPI-median nahe 2 % liegen, dürfte dieses Spannungsverhältnis die Währungshüter nach Einschätzung von RBC weiterhin zur Vorsicht mahnen. Dies untermauert das Basisszenario, wonach die Zinsen bis Ende 2026 unverändert bleiben.

Das Währungspaar USD/CAD fällt, da der US-Dollar (USD) angesichts wachsender Markterwartungen nachgibt, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) die Zinsen unverändert lassen wird. In der vergangenen Woche äußerte sich Fed-Chef Kevin Warsh optimistisch zur Widerstandsfähigkeit der US-Wirtschaft, vermied jedoch konkrete Hinweise zum Zeitpunkt oder zur Wahrscheinlichkeit künftiger Zinsanpassungen. Die Finanzmärkte orientieren sich an dieser vorsichtigen Haltung: Laut dem CME FedWatch Tool erwarten Händler von Fed-Funds-Futures, dass die Zentralbank die Zinsen auf ihrer geldpolitischen Sitzung im Oktober unverändert lässt. Zugleich preisen sie eine Wahrscheinlichkeit von 82,8 % für eine Zinserhöhung im Dezember ein.

Dollarindex bleibt bei anhaltend schwacher Tendenz unter Druck

Analysten der Scotiabank betonen, dass der Dollarindex zu Wochenbeginn weiterhin unter Druck steht. Sie merken an: „Der DXY beendete die vergangene Woche schwach, und die Kursentwicklung bleibt auch heute bislang insgesamt verhalten.“ Dies bestärkt ihre Einschätzung, dass die allgemeine Verfassung des Dollars weiterhin fragil ist, während die Märkte den Ausblick für die Geldpolitik der Fed neu bewerten.

Häufig gestellte Fragen zum kanadischen Dollar

Die wichtigsten Einflussfaktoren für den kanadischen Dollar (CAD) sind das von der Bank of Canada (BoC) festgelegte Zinsniveau, der Preis von Öl als Kanadas wichtigstem Exportgut, die Verfassung der kanadischen Wirtschaft, die Inflation und die Handelsbilanz, also die Differenz zwischen dem Wert der kanadischen Exporte und Importe. Weitere Faktoren sind die Marktstimmung und damit die Frage, ob Anleger verstärkt in risikoreichere Vermögenswerte investieren (Risk-on) oder sichere Häfen suchen (Risk-off). Eine höhere Risikobereitschaft wirkt sich positiv auf den CAD aus. Da die USA Kanadas größter Handelspartner sind, ist auch die Verfassung der US-Wirtschaft ein wesentlicher Einflussfaktor für den kanadischen Dollar.

Die Bank of Canada (BoC) übt erheblichen Einfluss auf den kanadischen Dollar aus, indem sie das Zinsniveau festlegt, zu dem Banken einander Geld leihen können. Dies beeinflusst das allgemeine Zinsniveau. Das Hauptziel der BoC ist es, die Inflation durch Zinserhöhungen oder Zinssenkungen bei 1–3 % zu halten. Vergleichsweise höhere Zinsen wirken sich tendenziell positiv auf den CAD aus. Die Bank of Canada kann die Kreditbedingungen auch durch quantitative Lockerung und quantitative Straffung beeinflussen. Erstere belastet den CAD, während Letztere ihn stützt.

Der Ölpreis ist ein wesentlicher Einflussfaktor für den Wert des kanadischen Dollars. Erdöl ist Kanadas wichtigstes Exportgut, weshalb sich der Ölpreis in der Regel unmittelbar auf den Wert des CAD auswirkt. Steigt der Ölpreis, legt im Allgemeinen auch der CAD zu, da die Gesamtnachfrage nach der Währung steigt. Bei einem fallenden Ölpreis ist das Gegenteil der Fall. Höhere Ölpreise erhöhen zudem tendenziell die Wahrscheinlichkeit eines Handelsbilanzüberschusses, was den CAD ebenfalls stützt.

Während Inflation traditionell als negativer Faktor für eine Währung galt, weil sie den Geldwert mindert, ist in jüngerer Zeit mit der Lockerung grenzüberschreitender Kapitalverkehrskontrollen tatsächlich das Gegenteil zu beobachten. Eine höhere Inflation veranlasst Zentralbanken tendenziell zu Zinserhöhungen. Dies zieht verstärkt Kapital von internationalen Anlegern an, die nach einer rentablen Anlagemöglichkeit suchen. Dadurch steigt die Nachfrage nach der Landeswährung, im Falle Kanadas also nach dem kanadischen Dollar.

Veröffentlichungen makroökonomischer Daten geben Aufschluss über die Verfassung der Wirtschaft und können den kanadischen Dollar beeinflussen. Indikatoren wie das BIP, die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor, Beschäftigungsdaten sowie Umfragen zum Verbrauchervertrauen können die Kursrichtung des CAD bestimmen. Eine starke Wirtschaft ist positiv für den kanadischen Dollar. Sie zieht nicht nur mehr ausländische Investitionen an, sondern kann die Bank of Canada auch zu Zinserhöhungen veranlassen, was die Währung stärkt. Fallen die Konjunkturdaten hingegen schwach aus, dürfte der CAD nachgeben.