
Das Währungspaar EUR/USD notiert im frühen europäischen Handel am Montag bei rund 1,1230 im Minus. Fiskalische Risiken in Frankreich und politische Instabilität in Europa setzen den Euro (EUR) gegenüber dem US-Dollar (USD) etwas unter Verkaufsdruck. Im weiteren Tagesverlauf wird eine Rede von Frank Elderson, Mitglied des Direktoriums der Europäischen Zentralbank (EZB), erwartet.

Frankreich verzeichnete die umfangreichsten Proteste einer Reihe von Demonstrationen in ganz Europa, von denen auch Belgien, Italien und Portugal betroffen waren. Laut dem Guardian gehen junge Menschen auf die Straße, um gegen den Zustand der Schulen und die allgemeine Lebenshaltungskostenkrise zu protestieren. Die sich verschärfenden, weitverbreiteten Proteste könnten die Gemeinschaftswährung kurzfristig unter Abwärtsdruck setzen.
Andererseits könnten schwindende Erwartungen an eine Zinserhöhung der US-Notenbank (Fed) das Abwärtspotenzial des Währungspaars begrenzen. Fed-Chef Kevin Warsh äußerte sich optimistisch zur Stärke der US-Wirtschaft, gab jedoch keine Hinweise auf den künftigen US-Zinspfad.
Laut dem CME FedWatch Tool preisen die Märkte eine Wahrscheinlichkeit von 83,9 % dafür ein, dass die Fed die Zinsen im weiteren Monatsverlauf unverändert lässt, nach 49 % einen Monat zuvor.
Die Strategen der Scotiabank stellen fest, dass der Euro weiterhin uneinheitlich auf die Anleihemärkte reagiert. Sie merken an, dass „der Zusammenhang zwischen dem EUR und den Renditeaufschlägen von Staatsanleihen im Euroraum eher phasenweise auftritt und andere Faktoren derzeit einen stärkeren Einfluss auf den Devisenmarkt zu haben scheinen“. Sie betonen, dass die zuvor abgegebenen „Äußerungen von Fed-Chef Warsh zum geldpolitischen Ausblick, die aufgrund ihrer Auslassungen als taubenhaft einzustufen waren, eine leichte Verengung der Zinsdifferenzen zwischen dem Euroraum und den USA am kurzen Ende ermöglicht und den EUR gestützt haben“.
Mit Blick auf die Geldpolitik urteilt die Scotiabank, dass „die Spannungen bei französischen Staatsanleihen (OATs) die Wahrscheinlichkeit einer EZB-Zinserhöhung zum Monatsende geringfügig verringern, die Entscheidung im Dezember aber wohl nicht beeinflussen werden (eine Anhebung um 25 Basispunkte ist nahezu vollständig eingepreist)“. Die Bank ergänzt: „Wir schätzen den fairen Wert von EURUSD auf 1,1285.“
Aus technischer Sicht bezeichnet die Scotiabank den Ausblick als „bullisch“. Sie verweist auf „eine kräftige Erholung von der langfristigen Retracement-Unterstützung im unteren Bereich der 1,11er-Spanne (50-%-Retracement der EUR-Rally 2025/26 aus dem Bereich von 1,01) zu Beginn dieser Woche und Kursgewinne über den genannten Widerstand bei 1,1240/50“, die „beim EUR die Voraussetzungen für eine potenziell bullische Wochenumkehr schaffen“. Die Analysten betonen, dass „dies davon abhängen wird, ob der EUR seine Gewinne vom Ende der Woche bis zum heutigen Handelsschluss halten kann“, wobei die „Intraday-Unterstützung bei 1,1245/50“ als wichtige kurzfristige Orientierungsmarke gilt.
Fed-Chef Warsh vermittelte eine verhalten zuversichtliche, aber vorsichtige Botschaft. Mit 5,6 von 10 Punkten lag sein FXS-Speechtracker-Wert unter dem historischen Durchschnitt von 6,1 von 10 und signalisierte damit eine etwas geringere Überzeugung gegenüber dem etablierten Referenzniveau. Sein Eingeständnis, von der globalen Finanzkrise „übermäßig geprägt“ zu sein, unterstreicht eine anhaltend risikoscheue Grundhaltung, obwohl Warsh einen durch „gute politische Maßnahmen“ angetriebenen strukturellen Wachstums- und Investitionsschub hervorhebt. Da er sich zugleich nicht auf die Ergebnisse der Sitzungen im Oktober und Dezember festlegen will, bleibt der Dollar anfällig für neue Konjunkturdaten. Warshs Betonung, dass KI zunächst die Nachfrageseite und erst danach die Angebotsseite beeinflussen werde, deutet zusammen mit den unsicheren kurzfristigen Beschäftigungseffekten auf Aufwärtsrisiken für Wachstum und Inflation hin. Diese könnten letztlich einen strafferen geldpolitischen Kurs rechtfertigen, sofern die Daten dies stützen.
Der FXS Fed Sentiment Index blieb nach der Rede unverändert. Mit einer Veränderung von 0,00 Punkten verharrte er bei 127,51 und damit klar im falkenhaften Bereich, obwohl die Bewertung des Tonfalls durch den FXS Speechtracker leicht unter dem Referenzniveau lag. Der stabile, erhöhte Indexstand deutet darauf hin, dass die Märkte Warshs Vorsicht und seinen Fokus auf Finanzstabilität sowie KI-bezogene Extremrisiken als vereinbar mit einer Fed ansehen, die weiterhin zu einer restriktiven Geldpolitik neigt, statt kurz vor einer taubenhaften Kehrtwende zu stehen.
Im Tageschart bleibt EUR/USD kurzfristig bärisch ausgerichtet, da sich der Kassakurs unter dem einfachen gleitenden 100-Tage-Durchschnitt (SMA) und sogar unter der 20-Tage-Mittellinie der Bollinger-Bänder hält. Das Währungspaar bewegt sich in der unteren Hälfte des Bollinger-Band-Kanals abwärts. Der Relative-Stärke-Index (14) bei rund 40 deutet dabei eher auf eine schwache Abwärtsdynamik als auf einen überverkauften Zustand hin. Dies begünstigt weiterhin die Verkäufer, solange diese oberhalb des Kurses verlaufenden gleitenden Durchschnitte das Aufwärtspotenzial begrenzen.
Auf der Unterseite liegt die erste Unterstützung beim Tief vom 15. Oktober bei 1,1151, gefolgt vom unteren Bollinger-Band bei rund 1,1105. Ein Durchbruch unter dieses Niveau würde den Weg zum Tief vom 21. Mai 2025 bei 1,1050 ebnen.
Auf der Oberseite wird der erste Widerstand an der 20-Tage-Mittellinie der Bollinger-Bänder bei rund 1,1270 gesehen. Weitere Hürden liegen beim Tief vom 28. Juli bei 1,1353, gefolgt vom oberen Bollinger-Band bei rund 1,1440 und dem 100-Tage-SMA bei 1,1465, die zusammen eine breitere Angebotszone bilden.
(Die technische Analyse dieses Artikels wurde mithilfe eines KI-Tools erstellt. Mehr erfahren.)
Der Euro ist die Währung der 20 Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die dem Euroraum angehören. Nach dem US-Dollar ist er die am zweithäufigsten gehandelte Währung der Welt. Im Jahr 2022 entfielen auf ihn 31 % aller Devisentransaktionen bei einem durchschnittlichen täglichen Handelsvolumen von über 2,2 Billionen US-Dollar. EUR/USD ist das meistgehandelte Währungspaar der Welt und macht schätzungsweise 30 % aller Transaktionen aus, gefolgt von EUR/JPY (4 %), EUR/GBP (3 %) und EUR/AUD (2 %).
Die Europäische Zentralbank (EZB) mit Sitz in Frankfurt am Main ist die Zentralbank des Euroraums. Sie legt die Zinssätze fest und steuert die Geldpolitik. Der vorrangige Auftrag der EZB ist die Gewährleistung der Preisstabilität. Dazu muss sie entweder die Inflation eindämmen oder das Wachstum ankurbeln. Ihr wichtigstes Instrument ist die Anhebung oder Senkung der Zinssätze. Relativ hohe Zinsen – oder die Erwartung höherer Zinsen – stützen in der Regel den Euro und umgekehrt. Der EZB-Rat trifft seine geldpolitischen Entscheidungen auf Sitzungen, die achtmal im Jahr stattfinden. Die Entscheidungen werden von den Präsidenten der nationalen Zentralbanken des Euroraums und sechs ständigen Mitgliedern getroffen, darunter EZB-Präsidentin Christine Lagarde.
Die anhand des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessenen Inflationsdaten des Euroraums sind eine wichtige wirtschaftliche Kennzahl für den Euro. Steigt die Inflation stärker als erwartet, insbesondere über das EZB-Ziel von 2 %, muss die EZB die Zinsen anheben, um die Teuerung wieder unter Kontrolle zu bringen. Im Vergleich zu anderen Währungsräumen relativ hohe Zinsen stützen in der Regel den Euro, da sie die Region für internationale Anleger als Standort für ihre Geldanlagen attraktiver machen.
Konjunkturdaten geben Aufschluss über den Zustand der Wirtschaft und können den Euro beeinflussen. Indikatoren wie das BIP, die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor, Beschäftigungsdaten sowie Umfragen zum Verbrauchervertrauen können die Kursrichtung der Gemeinschaftswährung bestimmen. Eine starke Wirtschaft ist gut für den Euro. Sie zieht nicht nur mehr ausländische Investitionen an, sondern kann die EZB auch zu Zinserhöhungen veranlassen, die den Euro unmittelbar stärken. Fallen die Konjunkturdaten hingegen schwach aus, dürfte der Euro nachgeben. Besonders wichtig sind die Konjunkturdaten der vier größten Volkswirtschaften des Euroraums (Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien), da sie 75 % der Wirtschaftsleistung des Euroraums ausmachen.
Eine weitere wichtige Datenveröffentlichung für den Euro ist die Handelsbilanz. Dieser Indikator misst die Differenz zwischen den Exporteinnahmen und den Importausgaben eines Landes über einen bestimmten Zeitraum. Produziert ein Land stark nachgefragte Exportgüter, gewinnt seine Währung allein durch die zusätzliche Nachfrage ausländischer Käufer, die diese Waren erwerben möchten, an Wert. Daher stärkt ein Handelsbilanzüberschuss eine Währung, während ein Handelsbilanzdefizit sie schwächt.