
Das US-Wachstum hat die Prognose übertroffen, dennoch notiert der US-Dollar gegenüber dem Yen schwächer, nachdem die Ergebnisse von Amazon (AMZN) und Intel (INTC) enttäuscht haben. USD/JPY erreichte im Umfeld der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) sein Tageshoch knapp über 158,00. Von dort aus ist das Währungspaar zweimal zurückgefallen und wird nun knapp über 157,50 gehandelt, nahe dem unteren Ende seiner Tagesspanne.

Die US-Wirtschaft wuchs im dritten Quartal mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3,4 % gegenüber einer Prognose von 3,2 %. Die am Preisindex der persönlichen Konsumausgaben (PCE) gemessene Kerninflation entsprach mit 3,1 % den Erwartungen. USD/JPY reagierte auf beide Zahlen kaum. Nachdem die Fed am Mittwoch mit 10 zu 2 Stimmen für unveränderte Zinsen gestimmt hatte, preisten die Terminmärkte eine Zinserhöhung im Dezember mit einer Wahrscheinlichkeit von knapp 85 % ein. Damit würde der US-Zinssatz, der die Zinsdifferenz bei USD/JPY mitbestimmt, auf 4,00 % bis 4,25 % steigen.
Die Bank of Japan (BoJ) begann am Donnerstag ihre zweitägige Sitzung bei einem Leitzins von 1,25 %. Die meisten Analysten einer Reuters-Umfrage erwarten für Dezember einen Zinssatz von 1,5 %. Die Fed und die BoJ hatten ihre Leitzinsen im September jeweils um einen Viertelprozentpunkt angehoben, wodurch die Zinsdifferenz bei USD/JPY mit 2,50 bis 2,75 Prozentpunkten exakt unverändert blieb.
Der Verbraucherpreisindex (VPI) für Tokio für Oktober wird am Donnerstag um 23:30 Uhr GMT veröffentlicht. Für die Preise ohne frische Lebensmittel wird ein Anstieg von 2,6 % nach zuvor 2,7 % erwartet. Die Zinsentscheidung der BoJ folgt am Freitag zu einer nicht festgelegten Uhrzeit. BoJ-Gouverneur Ueda hält um 06:30 Uhr GMT eine Pressekonferenz ab und spricht am 6. November um 16:00 Uhr GMT erneut. All dies ist für den Zeitpunkt der nächsten Zinserhöhung der BoJ von Bedeutung.
Die Präsidentin der Fed von San Francisco, Daly, und der Präsident der Fed von St. Louis, Musalem, sprechen am Freitag um 16:00 Uhr beziehungsweise 16:30 Uhr GMT. Der US-Arbeitsmarktbericht für Oktober mit den Beschäftigtenzahlen außerhalb der Landwirtschaft (NFP) wird am 6. November um 13:30 Uhr GMT veröffentlicht, nachdem im September 29.000 Stellen hinzugekommen waren. Er fließt in die Zinsentscheidung der Fed im Dezember ein.
USD/JPY notiert an seinem exponentiellen gleitenden 200-Tage-Durchschnitt (EMA), während der 50-Tage-EMA etwas höher liegt. Der Anstieg vom Tief Anfang September knapp unter 153,00 endete am 24. September knapp über 159,00. Seitdem ist das Währungspaar nicht wieder über dieses Hoch gestiegen. Es hat etwas mehr als zwei Fünftel seines Rückgangs vom Hoch Ende Juli knapp unter 164,00 aufgeholt.

Der japanische Yen (JPY) zählt zu den meistgehandelten Währungen der Welt. Sein Wert wird grundsätzlich von der Entwicklung der japanischen Wirtschaft bestimmt. Im Einzelnen spielen unter anderem die Geldpolitik der Bank of Japan, die Renditedifferenz zwischen japanischen und US-amerikanischen Anleihen sowie die Risikobereitschaft der Händler eine Rolle.
Zu den Aufgaben der Bank of Japan gehört die Steuerung der Währung, weshalb ihre Maßnahmen für den Yen von zentraler Bedeutung sind. Die BoJ hat gelegentlich direkt an den Devisenmärkten interveniert, meist um den Wert des Yen zu senken. Aufgrund politischer Bedenken ihrer wichtigsten Handelspartner verzichtet sie jedoch auf häufige Eingriffe. Die ultralockere Geldpolitik der BoJ zwischen 2013 und 2024 führte dazu, dass der Yen gegenüber den wichtigsten anderen Währungen abwertete, da die Geldpolitik der Bank of Japan und anderer großer Zentralbanken zunehmend auseinanderlief. In jüngerer Zeit hat die schrittweise Abkehr von dieser ultralockeren Geldpolitik dem Yen etwas Unterstützung gegeben.
Im vergangenen Jahrzehnt hat das Festhalten der BoJ an ihrer ultralockeren Geldpolitik zu einer zunehmenden geldpolitischen Divergenz gegenüber anderen Zentralbanken geführt, insbesondere gegenüber der US-Notenbank Federal Reserve. Dies begünstigte eine Ausweitung der Renditedifferenz zwischen zehnjährigen US-amerikanischen und japanischen Anleihen, was den US-Dollar gegenüber dem japanischen Yen stärkte. Die Entscheidung der BoJ im Jahr 2024, die ultralockere Geldpolitik schrittweise aufzugeben, führt zusammen mit Zinssenkungen anderer großer Zentralbanken zu einer Verringerung dieser Renditedifferenz.
Der japanische Yen gilt häufig als sicherer Hafen. Das bedeutet, dass Anleger in angespannten Marktphasen aufgrund seiner vermeintlichen Verlässlichkeit und Stabilität eher dazu neigen, ihr Geld in der japanischen Währung anzulegen. In turbulenten Zeiten dürfte der Yen gegenüber anderen Währungen aufwerten, bei denen eine Anlage als risikoreicher gilt.