Demokraten gewinnen bei US-Zwischenwahlen Repräsentantenhaus und Senat: Warum das für Kryptowährungen nicht nur schlechte Nachrichten bedeutet

Das wichtigste Ereignis dieser Woche waren die US-Zwischenwahlen am Dienstag, bei denen die Demokraten mit einer deutlichen blauen Welle die Kontrolle über das Repräsentantenhaus und den Senat gewannen.

Die Ergebnisse spiegelten den Unmut der US-Wähler über die hohen Preise und die Wirtschaftslage wider. Diese Stimmung verhalf demokratischen Kandidaten selbst in Regionen zum Sieg, die üblicherweise republikanisch wählen.

Dieser politische Machtwechsel in den USA hat starke Kursschwankungen am gesamten Kryptowährungsmarkt ausgelöst, da Anleger die möglichen Folgen eines demokratisch kontrollierten Kongresses abwogen. Dies führte in dieser Woche zu extremer Volatilität und Liquidationen bei risikoreichen Anlagen.

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Volatilität löst Liquidationswelle aus

Auf bedeutende politische Nachrichten reagiert der Markt mit extremer Volatilität. Als am Mittwoch im frühen asiatischen Handel die ersten Wahlergebnisse eintrafen, fiel Bitcoin (BTC) kurzzeitig in Richtung 75.500 US-Dollar. Als sich die Lage klarer abzeichnete, erholte sich der Kurs jedoch wieder und schloss mit einem Tagesplus von knapp 4 % über 80.500 US-Dollar.

Allerdings hielt sich dieses Kursniveau nicht lange, da Bitcoin erneut unter Verkaufsdruck geriet, und zwar am Donnerstag angesichts der Sorge, dass die Kontrolle der Demokraten über beide Kammern des US-Kongresses zu strengeren Vorschriften für Kryptowährungen und künstliche Intelligenz (KI) führen könnte. Ein starker Ausverkauf bei US-Technologieaktien am Donnerstag machte die jüngsten Gewinne von BTC zunichte. Die führende Kryptowährung verlor 5,49 % und schloss unter der Unterstützung am exponentiellen gleitenden 200-Tage-Durchschnitt (EMA) bei rund 76.534 US-Dollar. 

Auch das Momentum zeigt Anzeichen einer Abschwächung: Der Relative-Stärke-Index (RSI) auf Tagesbasis liegt bei etwa 37 und tendiert nach unten in Richtung des überverkauften Bereichs, was auf einen starken bärischen Trend hindeutet. Zudem bleibt der Moving Average Convergence Divergence (MACD) im negativen Bereich. Zunehmend größere rote Histogrammbalken sprechen ebenfalls für einen bärischen Ausblick für BTC.

BTC notiert auch am Freitag im Minus und liegt zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels unter 75.800 US-Dollar.

BTC/USDT-Tageschart

Die heftigen Kursausschläge in beide Richtungen nach den Zwischenwahlen waren erwartet worden, angesichts der abweichenden Positionierung in Bitcoin-Futures an der Chicago Mercantile Exchange (CME) und in unbefristeten Futures (Perpetual Futures) sowie einer impliziten Dreimonatsvolatilität nahe historischen Tiefständen.

Offene Positionen in Bitcoin-Futures und Perpetual Futures. Chart: CME (linke Achse) im Vergleich zu Perpetual Futures (rechte Achse). Quelle: K33 Research

Am Kryptomarkt wurden Positionen im Wert von mehr als 2,25 Milliarden US-Dollar liquidiert, während die US-Zwischenwahlen stattfanden. Die Erholung am Mittwoch führte vor allem zur Liquidation von Short-Positionen, während der Rückgang am Donnerstag Long-Positionen auslöschte, wie der folgende Chart zeigt. Diese Liquidationen signalisieren einen deutlichen Stimmungsumschwung und verdeutlichen die Unsicherheit sowie die gehebelte Positionierung im gesamten Sektor.

Liquidationschart. Quelle: Coinglass

Politische Blockade könnte Kryptowährungen zugutekommen

Eine politische Blockade in Washington kann Kryptowährungen durchaus helfen. Wenn die Macht zwischen dem Kongress und dem Weißen Haus geteilt ist, können weniger weitreichende politische Überraschungen risikoreiche Anlagen unvermittelt treffen.

Allerdings ist die Kontrolle der Demokraten über das Repräsentantenhaus und den Senat auch ein ernstzunehmendes Warnsignal für die Kryptobranche. Sie könnte wichtige einschlägige Gesetzesvorhaben blockieren oder verzögern, etwa den CLARITY Act. 

Prognosemärkte wie Kalshi haben die erschwerten Aussichten für branchenfreundliche Gesetzentwürfe bereits eingepreist. Die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung des CLARITY Act vor dem 1. Juli 2027 ist auf 14 % gesunken, nach 19 % vor den US-Zwischenwahlen am 1. November. 

Auch auf längere Sicht haben sich die Aussichten eingetrübt. Im selben zuvor genannten Zeitraum sank die Wahrscheinlichkeit einer Verabschiedung des CLARITY Act vor dem 1. Oktober 2027 beziehungsweise dem 1. Januar 2028 von 27 % auf 18 % beziehungsweise von 29 % auf 23 %.

Wird der Clarity Act Gesetz? Chart der Wahrscheinlichkeiten. Quelle: Kalshi.

Binance-Hack wirkt weiter nach

Unterdessen bleibt der Binance-Hack von letzter Woche im Hintergrund präsent. Die Schlagzeilen zu den Zwischenwahlen haben zwar den Großteil der Aufmerksamkeit auf sich gezogen, doch die Sicherheitsbedenken bestehen fort.

Bislang trägt Binance die finanziellen Folgen vollständig selbst und hat 98 % der betroffenen Nutzerguthaben wieder aufgefüllt, finanziert aus eigenen Unternehmensmitteln, dem SAFU-Fonds und weiteren internen Ressourcen.

Allerdings befinden sich gestohlene Vermögenswerte im Wert von rund 3 Milliarden US-Dollar weiterhin unter der Kontrolle der Angreifer, überwiegend in BTC und ETH, die sich nicht ohne Weiteres einfrieren lassen. Sollten diese Gelder wieder bewegt werden, könnte dies erneut FUD (Angst, Unsicherheit und Zweifel) am Markt auslösen.

Was bedeutet das für den Kryptomarkt?

Insgesamt hat der Sieg der Demokraten die Unsicherheit in der Branche erhöht. Anleger bewerten die möglichen Auswirkungen eines demokratisch kontrollierten Kongresses auf die Regulierung von Kryptowährungen und KI, wenn der neue Kongress am 3. Januar 2027 zusammentritt.

Trotz dieses politischen Machtwechsels in Washington dürften Zinsentscheidungen, geopolitische Entwicklungen im Nahen Osten, die allgemeine Marktliquidität und die Nachfrage nach börsengehandelten Fonds (ETFs) eine größere Rolle für die Kursentwicklung von Kryptowährungen spielen.

Häufig gestellte Fragen zu Kryptowährungskennzahlen

Der Entwickler oder Urheber einer Kryptowährung legt die Gesamtzahl der Token fest, die erzeugt oder ausgegeben werden können. Nur eine bestimmte Anzahl dieser Vermögenswerte lässt sich durch Mining, Staking oder andere Mechanismen erzeugen. Dies wird durch den Algorithmus der zugrunde liegenden Blockchain-Technologie bestimmt. Die Umlaufmenge kann sich wiederum durch Maßnahmen wie das Verbrennen von Token oder durch das versehentliche Senden von Vermögenswerten an Adressen anderer, inkompatibler Blockchains verringern.

Die Marktkapitalisierung ergibt sich aus der Multiplikation der Umlaufmenge eines bestimmten Vermögenswerts mit dessen aktuellem Marktpreis.

Das Handelsvolumen bezeichnet die Gesamtzahl der Token eines bestimmten Vermögenswerts, die innerhalb eines festgelegten Handelszeitraums, beispielsweise 24 Stunden, zwischen Käufern und Verkäufern gehandelt oder getauscht wurden. Diese Kennzahl dient zur Einschätzung der Marktstimmung und fasst sämtliche Handelsvolumina an zentralen und dezentralen Börsen zusammen. Ein steigendes Handelsvolumen deutet häufig auf die Nachfrage nach einem bestimmten Vermögenswert hin, da mehr Menschen die Kryptowährung kaufen und verkaufen.

Finanzierungsraten sollen Händler dazu anregen, Positionen einzugehen, und sicherstellen, dass die Preise unbefristeter Kontrakte mit denen an den Kassamärkten übereinstimmen. Dahinter steht ein Mechanismus der Börsen, der durch regelmäßige Ausgleichszahlungen dafür sorgt, dass sich Futures- und Indexpreise immer wieder annähern. Bei einer positiven Finanzierungsrate liegt der Preis des unbefristeten Kontrakts über dem Markpreis. Das bedeutet, dass bullisch eingestellte Händler mit Long-Positionen Zahlungen an Händler mit Short-Positionen leisten. Eine negative Finanzierungsrate bedeutet dagegen, dass die Preise unbefristeter Kontrakte unter dem Markpreis liegen. In diesem Fall zahlen Händler mit Short-Positionen an Händler mit Long-Positionen.