
Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB), erläutert die Entscheidung der EZB, die Leitzinsen auf der geldpolitischen Sitzung im Oktober unverändert zu lassen, und beantwortet Fragen der Presse.
„Wir haben eine Zunahme der indirekten Auswirkungen des Energiepreisschubs festgestellt.“
„Wir sehen kein Risiko von Zweitrundeneffekten, das über die bereits in den Projektionen berücksichtigten Effekte hinausgeht.“
„Die Kosten der langfristigen Finanzierung sind gegenüber September deutlich gestiegen.“
„Der EZB-Rat hat darüber diskutiert, ob eine Zinserhöhung angemessen wäre.“
„Angesichts der Unsicherheit und der unveränderten zugrunde liegenden Inflation hat der EZB-Rat einstimmig beschlossen, die Zinsen unverändert zu lassen.“

„Ein besonnenes Vorgehen bleibt zum jetzigen Zeitpunkt angemessen.“
EUR/USD erholt sich nach diesen Äußerungen leicht von den Tagestiefs und notierte zuletzt bei 1,1135, einem Tagesminus von 0,15 %.
Der Euro ist die Währung der 20 Mitgliedstaaten der Europäischen Union, die dem Euroraum angehören. Er ist nach dem US-Dollar die weltweit am zweithäufigsten gehandelte Währung. Im Jahr 2022 entfielen auf ihn 31 % aller Devisentransaktionen, bei einem durchschnittlichen täglichen Handelsvolumen von über 2,2 Billionen US-Dollar. EUR/USD ist das weltweit meistgehandelte Währungspaar und macht schätzungsweise 30 % aller Transaktionen aus, gefolgt von EUR/JPY (4 %), EUR/GBP (3 %) und EUR/AUD (2 %).
Die Europäische Zentralbank (EZB) mit Sitz in Frankfurt am Main ist die Zentralbank des Euroraums. Die EZB legt die Leitzinsen fest und steuert die Geldpolitik. Das vorrangige Mandat der EZB besteht darin, Preisstabilität zu gewährleisten, also entweder die Inflation einzudämmen oder das Wachstum anzukurbeln. Ihr wichtigstes Instrument ist die Anhebung oder Senkung der Zinssätze. Vergleichsweise hohe Zinsen – oder die Erwartung höherer Zinsen – stützen in der Regel den Euro und umgekehrt. Der EZB-Rat trifft seine geldpolitischen Entscheidungen auf Sitzungen, die achtmal jährlich stattfinden. Die Entscheidungen werden von den Präsidenten der nationalen Zentralbanken des Euroraums und sechs ständigen Mitgliedern getroffen, darunter die EZB-Präsidentin Christine Lagarde.
Die anhand des Harmonisierten Verbraucherpreisindex (HVPI) gemessenen Inflationsdaten des Euroraums sind eine wichtige volkswirtschaftliche Kennzahl für den Euro. Steigt die Inflation stärker als erwartet, insbesondere über das 2-%-Ziel der EZB hinaus, ist die EZB gezwungen, die Zinsen anzuheben, um die Teuerung wieder unter Kontrolle zu bringen. Im Vergleich zu anderen Währungsräumen relativ hohe Zinsen stützen in der Regel den Euro, da sie die Region für internationale Anleger als Standort für ihre Geldanlagen attraktiver machen.
Veröffentlichte Wirtschaftsdaten geben Aufschluss über den Zustand der Wirtschaft und können den Euro beeinflussen. Indikatoren wie das Bruttoinlandsprodukt (BIP), die Einkaufsmanagerindizes für das verarbeitende Gewerbe und den Dienstleistungssektor, Beschäftigungsdaten sowie Umfragen zur Verbraucherstimmung können die Kursentwicklung der Gemeinschaftswährung beeinflussen. Eine starke Wirtschaft ist gut für den Euro. Sie zieht nicht nur mehr ausländische Investitionen an, sondern kann die EZB auch zu Zinserhöhungen veranlassen, was den Euro unmittelbar stärkt. Fallen die Wirtschaftsdaten dagegen schwach aus, dürfte der Euro nachgeben. Besonders wichtig sind die Wirtschaftsdaten der vier größten Volkswirtschaften des Euroraums (Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien), da diese 75 % der Wirtschaftsleistung des Euroraums ausmachen.
Eine weitere wichtige Datenveröffentlichung für den Euro ist die Handelsbilanz. Dieser Indikator misst die Differenz zwischen den Exporteinnahmen und den Importausgaben eines Landes innerhalb eines bestimmten Zeitraums. Produziert ein Land stark nachgefragte Exportgüter, gewinnt seine Währung allein durch die zusätzliche Nachfrage ausländischer Käufer, die diese Waren erwerben möchten, an Wert. Ein Handelsbilanzüberschuss stärkt daher eine Währung, während ein Handelsbilanzdefizit den gegenteiligen Effekt hat.