
Nachdem Meta kürzlich durch eine Anleiheemission 15 Milliarden US-Dollar aufgenommen hat, hat das Unternehmen nun seine erste Emission von Euro-Anleihen gestartet und weitet damit die Finanzierung seiner KI-Infrastruktur stärker auf Europa aus. Während die KI-Agentenanwendung Muse des Unternehmens rasant wächst und Technologiekonzerne weiterhin Billionen von US-Dollar in Recheninfrastruktur investieren, überschreitet der weltweite Wettbewerb um Finanzierung zunehmend Markt- und Währungsgrenzen. Das Tempo des Schuldenaufbaus und die Unsicherheit über künftige Investitionsrenditen veranlassen Anleger jedoch auch dazu, als Ausgleich höhere Renditen zu verlangen.

Die jüngste Anleiheemission von Meta verdeutlicht erneut das zentrale Spannungsfeld im KI-Investitionszyklus: Der Ausbau der Infrastruktur schreitet voran, während die damit verbundenen Kapitalkosten weiter steigen. Selbst Technologiekonzerne mit einem AA-Rating sehen sich zunehmend mit Renditemaßstäben konfrontiert, die eher denen von Kreditnehmern mit schwächerer Bonität entsprechen. Die weltweit größten Technologieunternehmen liefern sich einen Wettlauf um Kapital, um ihre ehrgeizigen Pläne für Investitionen in KI-Rechenkapazitäten in Billionenhöhe zu finanzieren.
Anleger zeigen sich zunehmend besorgt über das Tempo, mit dem Hyperscale-Cloud-Unternehmen Schulden aufbauen. Sie stellen auch grundsätzlicher infrage, ob KI-Investitionsausgaben in Billionenhöhe Renditen erwirtschaften können, da große Technologieunternehmen, darunter die Google-Muttergesellschaft Alphabet und Amazon, insgesamt deutlich negative freie Cashflows verzeichnen. Diese Faktoren haben die gesamten Betriebskosten und die Kapitalkosten der Technologieunternehmen weiter in die Höhe getrieben.
Metas Euro-Anleiheemission umfasst sechs Tranchen mit Laufzeiten von etwas mehr als vier bis über 38 Jahren. Die anfängliche Preisindikation für die Anleihen mit der kürzesten Laufzeit lag rund 140 Basispunkte über dem entsprechenden Mid-Swap-Satz, während für die Anleihen mit der längsten Laufzeit ein Aufschlag von etwa 370 Basispunkten genannt wurde. Diese Preisniveaus implizieren Renditen, die eher denen von Anleihen entsprechen, deren Rating mehrere Stufen unter Metas AA-Rating liegt. Diese Situation betrifft nicht nur Meta: Anleiheinvestoren bewerten Hyperscale-Cloud-Unternehmen generell auf einem Niveau, das mit Kreditnehmern schwächerer Bonität verbunden wird.
Dennoch haben die günstigeren Finanzierungskonditionen, die sich Meta und andere Technologiekonzerne Anfang dieses Jahres gesichert haben, zusätzlichen finanziellen Spielraum geschaffen, um die inzwischen gestiegenen Kosten der KI-Finanzierung aufzufangen.
Diese Welle von Anleiheemissionen fällt in eine Zeit, in der Investoren und Politiker den Ausbau der KI-Infrastruktur genauer unter die Lupe nehmen. Zudem stellt sich die Frage, ob die Demokraten, die bei den US-Zwischenwahlen gerade die Kontrolle über den Kongress gewonnen haben, die großen Technologieunternehmen in gleichem Maße unterstützen werden. Die wachsende Unzufriedenheit der Wähler mit dem landesweiten Ausbau großflächiger KI-Rechenzentren war ein wichtiges Wahlkampfthema, etwa in Ohio, wo der republikanische Senatskandidat unterlag.
Markteinblick:
In den vergangenen zwei Jahren sind die durchschnittlichen Fremdfinanzierungskosten der Technologiekonzerne bei nahezu jeder neuen Emission von US-Dollar-Anleihen gestiegen. Hohe Energiepreise haben die Renditen von Staatsanleihen in die Höhe getrieben und den Technologiesektor zusätzlich unter Druck gesetzt. Die Aktienmärkte stehen bereits aufgrund von Bewertungsanpassungen unter Druck. Im Oktober fiel der Nasdaq 100 Index um rund 6,7 %, während der Philadelphia Semiconductor Index und der südkoreanische KOSPI um etwa 28 % beziehungsweise 38 % nachgaben. Zwischenzeitliche Erholungen haben ihre technischen Bärenmärkte bislang nicht beendet.
